So gewinnst Du qualifizierte Mitarbeiter

Worauf es für Steuerberater bei der Personalsuche ankommt

Die Suche nach geeigneten Mitarbeitern gestaltet sich immer schwieriger. Gemäß STAX 2015 sind durchschnittlich zwei Stellen pro Kanzlei nicht besetzt. Melanie Gauland, Personal-Abteilungsleiterin bei Agenda, erläutert, wie Du die richtigen Fachkräfte findest und für Dich begeisterst.

Grundsätzlich ist es wichtig, dass Du Dir Gedanken über den Personalbedarf Deiner Kanzlei machst. Ziel ist es, den richtigen Mitarbeiter zur richtigen Zeit am richtigen Ort zu finden. Um dies zu erreichen, dreht sich zunächst alles um die Erstellung einer ansprechenden Stellenausschreibung.

Mit einer aussagekräftigen Stellenanzeige punkten

Die Jobanzeige ist der erste Kontaktpunkt der Bewerber mit Deiner Kanzlei. Mit einer aufmerksamkeitsstarken Anzeige, die das Interesse für Dich als Arbeitgeber weckt, vermittelst Du einen positiven Eindruck.

Die wichtigste Faustregel für eine gute Stellenanzeige lautet: Je anschaulicher, desto besser. Schließlich steigt die Chance Deinen „Wunschmitarbeiter“ zu finden, wenn Du Deine Anforderungen möglichst genau formulierst. Dabei solltest Du aber die Länge der Anzeige nicht außer Acht lassen. Eine knappe Darstellung der wesentlichen Qualifikationen empfiehlt sich.

Mindestbestandteile einer Stellenausschreibung sind:

  • Bezeichnung der Stelle (am Markt gebräuchlicher Titel)
  • Vorstellung der Kanzlei (Mitarbeiteranzahl, Standort, Leistungsschwerpunkte)
  • Einzelne Aufgaben (vier bis fünf Tätigkeiten in Stichpunkten nennen)
  • Fachliche Anforderungen (beginnend mit Ausbildung/Studium, Jahre der Berufserfahrung)
  • Soft Skills (z. B. Teamfähigkeit, Loyalität)
  • Verweis auf Gehaltsvorstellung und Eintrittstermin
  • Kontaktdaten (Ansprechpartner, Adresse, Telefonnummer, E-Mail, Link zur Karriereseite)

In Zeiten des Fachkräftemangels ist entscheidend, die Vorteile Deiner Kanzlei zu erläutern. Zum Beispiel kannst Du mit flexiblen Arbeitszeiten, individuellen Weiterbildungen und einem technisch modernen Arbeitsumfeld überzeugen. Auch mit der Möglichkeit, im Home-Office zu arbeiten, punktest Du.

Wege zum richtigen Mitarbeiter

Nicht nur der Inhalt der Anzeige, sondern auch der gewählte Kanal der Verbreitung ist von großer Bedeutung. Ein Tipp: Beschäftige Dich damit, auf welche Medien Bewerber bei der Stellensuche zurückgreifen.

Generell zahlt sich ein Medienmix aus. Du kannst Internet-Jobbörsen, Online-Plattformen für das Social Networking (beispielsweise XING, LinkedIn), Fachzeitschriften und Zeitungen zur Personalrekrutierung nutzen. Für junge Bewerber kannst Du Deine Anzeige auch auf Facebook posten.

Der Zeitpunkt der Anzeigenschaltung ist ebenfalls entscheidend. Denn gerade am Wochenende suchen viele nach einem neuen Arbeitgeber.

Bewerbungsunterlagen sichten 

Sind Bewerbungen eingegangen, solltest Du die Unterlagen genau prüfen. Das Stellengesuch entspricht einer ersten Arbeitsprobe. Achte vor allem auf Vollständigkeit, Motivation, Lückenlosigkeit und Rechtschreibung. Besonders wichtig: Findest Du die von Dir geschilderten Anforderungen aus der Stellenanzeige im Lebenslauf wieder?

Aus den Unterlagen sollte erkennbar sein, welche konkreten Erfahrungen der Bewerber bereits während seiner beruflichen Laufbahn gesammelt hat. Außerdem ist es von großer Bedeutung, warum er den Arbeitgeber wechseln möchte und wann er für die neue Stelle zur Verfügung steht.

Die Unterlagen eines Bewerbers wirken vielversprechend, aber Du hast nach deren Prüfung noch einige offene Fragen? Dann vereinbare einfach einen Telefontermin, der etwa 15 Minuten dauert. Hat Dich der Bewerber überzeugt, lade ihn zum Vorstellungsgespräch ein.

Roter Faden des Bewerbungsgesprächs

Sorge im Vorfeld des anstehenden Termins dafür, dass ein separater Raum zur Verfügung steht und plane ausreichend Zeit ein (etwa 60 Minuten).

Während des Gesprächs sollte der rote Faden nicht verloren gehen. Nach Deiner Begrüßung, in der Du die Stimmung des Bewerbers wahrnimmst, und der Darstellung des Gesprächsablaufs kannst Du Dich und Deine Kanzlei kurz vorstellen. Gebe danach dem Bewerber das Wort. Dein Gegenüber sollte im Allgemeinen einen höheren Gesprächsanteil (circa 80 Prozent) als Du haben.

Vorstellungsgespräch
Vorstellungsgespräch

Im weiteren Verlauf des Termins kannst Du die Erwartungen und Vorstellungen des Bewerbers in Erfahrung bringen. Denke daran, Fachfragen zu stellen. Auch kannst Du Auskünfte zur Persönlichkeit einholen. Offene Fragestellungen führen dazu, dass Du möglichst viel über den Bewerber herausfindest.

Nicht fehlen dürfen in einem Vorstellungsgespräch Fragen zu:

  • der fachlichen Qualifikation (Zeugnisformulierungen aufgreifen und erklären lassen)
  • dem Bewerbungsablauf (z. B. „Wie sind Sie auf uns aufmerksam geworden?“)
  • dem Wissen des Bewerbers über den potentiellen Arbeitgeber
  • der Motivation (z. B. „Warum haben Sie sich gerade bei meiner Kanzlei beworben?“)
  • der Entscheidung, den Arbeitgeber zu wechseln
  • der Vorstellung im Hinblick auf die Aufgaben
  • der Erwartungshaltung (bzgl. Kollegen, Vorgesetzten) 
  • der Gehaltsvorstellung und frühesten Eintrittsmöglichkeit

Fazit

Die Entscheidung für einen Mitarbeiter ist im Idealfall eine langfristige. Umso wichtiger ist es, dass Du das richtige Personal zur richtigen Zeit am richtigen Ort findest. Mit den genannten Tipps bist du diesem Ziel schon einen Schritt näher.

Angesichts des Fachkräftemangels solltest Du aber auch bereit sein, auf die Wünsche eines Bewerbers, beispielsweise bezüglich der Arbeitszeit, einzugehen und ihm Raum zur persönlichen Entfaltung zu geben. So steht einem unterschriebenen Arbeitsvertrag nichts mehr im Wege.

Melanie Gauland
Melanie Gauland

Melanie Gauland

Ist Diplom-Betriebswirtin und Personal-Abteilungsleiterin bei Agenda. (www.agenda-software.de)

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