Der Steuerberater als Arbeitgeber

Was Mitarbeiter erwarten

Die Mitarbeitersuche – ein immer wiederkehrendes Thema in jeder Steuerkanzlei, das viel Zeit, Geld und Nerven kostet. Die Kanzleiagentur München hat sich näher damit befasst: Sie hat 60 Steuerfachangestellte, Steuerfachwirte und Bilanzbuchhalter befragt und wollte wissen: Was macht einen attraktiven Arbeitgeber aus - die Größe der Kanzlei, das Gehalt oder die künftigen Kollegen?

Kleine oder große Steuerkanzlei?

Für Steuerfachleute, die einen Arbeitgeberwechsel anstreben, ist das Gehalt weniger entscheidend als das Aufgabengebiet und das bestehende Team. Demnach spielt das Gehalt gerade einmal für 20 Prozent der Befragten eine Rolle. Das bestehende Team der Kanzlei hingegen ist für 57 Prozent überaus wichtig.

Die Kanzleigröße hat für die befragten Teilnehmer keinerlei Relevanz. Für wichtig erachten jedoch immerhin 10 Prozent das zukünftige Aufgabengebiet und wünschen sich bei der Ausschreibung der Vakanz nähere Informationen. Die Befragten bemängeln, dass bei den Stellenbeschreibungen häufig lediglich nach Bewerbern mit Berufserfahrung gesucht wird, ohne eine genaue Beschreibung dessen, was eigentlich von ihnen erwartet wird. Eine Entscheidung, ob es sich bei der Ausschreibung um eine interessante Stelle für den Bewerber handeln könnte, wäre kaum möglich.

Arbeitszeitmodelle und Mandatsstruktur

Fünf Prozent der befragten Steuerfachleute legen großen Wert auf Gleitarbeitszeitmodelle, weitere 5 Prozent auf die in der Kanzlei bestehende Mandatsstruktur. Für drei Prozent sind unterstützende Weiterbildungsmöglichkeiten (Steuerfachwirt /Bilanzbuchhalter) von großer Bedeutung.

Gute Bewerber haben mehrere Optionen

Qualifizierte Bewerber haben bei der Stellensuche fast immer mehrere Optionen – sie können sich ihren Arbeitgeber aussuchen. Das Gehalt allein kann ihre Wahl nicht beeinflussen: Mehr als die Hälfte der Befragten geben an, dass das bestehende Team für sie ausschlaggebend ist, ob die Kanzlei eine Zu- oder Absage erhält. Leider geben viele Kanzleiinhaber dem potentiellen Mitarbeiter kaum Gelegenheit, die künftigen Kollegen kennen zu lernen, obwohl sie dadurch vorhandene Mitbewerber ausstechen könnten. Ein Rundgang durch die Kanzlei mit Vorstellung der Mitarbeiter gibt dem Bewerber die Möglichkeit, über das Gespräch mit dem Kanzleiinhaber hinaus einen ersten Eindruck zu bekommen.

Auf Augenhöhe kommunizieren

Von Beginn an mit dem Bewerber auf Augenhöhe zu kommunizieren, bringt weitere Sympathiepunkte. Der Vorstellungstermin sollte nicht vorgegeben sondern vielmehr gemeinsam nach einem passenden Termin gesucht werden. Im ersten Gespräch ist es Aufgabe des Kanzleiinhabers, den Bewerber davon zu überzeugen, dass die Kanzlei der richtige Arbeitgeber ist. Die guten Bewerber wechseln ihre Stelle nur dann, wenn sie überzeugt davon sind, dass sie ihre weitere berufliche Laufbahn genau dieser Kanzlei anvertrauen können. Ein Stellenwechsel ist auch für den Bewerber mit großen Risiken verbunden. Möglichst umfangreiche Informationen im Vorfeld über die Kanzleikultur, die Stellung innerhalb des bestehenden Teams und die mögliche Unterstützung bei einer geplanten Weiterbildung erhöhen die Chancen, den Wunschkandidaten in der Kanzlei als neuen Mitarbeiter begrüßen zu können.

Kontakt pflegen

In den seltensten Fällen wird der Wunschkandidat eine Zusage bereits nach dem ersten Gespräch erteilen. Umso wichtiger ist es, den bestehenden Kontakt zu pflegen und zwischendurch einmal zum Telefonhörer zu greifen und ein kurzes Gespräch mit dem Bewerber zu führen. Dies zeugt von Wertschätzung und gibt darüber hinaus noch Aufschluss darüber, ob Sie als möglicher Arbeitgeber noch im Rennen sind.

Absprachen einhalten

Absprachen sollten unbedingt eingehalten werden. Ist man sich einig geworden und sichert dem zukünftigen Mitarbeiter zu, den Arbeitsvertrag innerhalb einer Woche zu versenden, dann sollte dies auch innerhalb des versprochenen Zeitrahmens geschehen. Jeder dritte Befragte im Rahmen unserer Umfrage gab an, sich aufgrund nicht eingehaltener Absprachen der Kanzlei schlussendlich doch für einen anderen Arbeitgeber entschieden zu haben.

Fazit

Aufgrund der sehr schwachen Konjunktur auf dem Bewerbermarkt in steuerberatenden Berufen ist die Personalsuche zu einer echten Herausforderung geworden. Um die wirklich guten Bewerber für Ihre Kanzlei zu gewinnen, muss sich die Steuerkanzlei bestmöglich als Arbeitgeber präsentieren und darüber hinaus um die Gunst der Bewerber buhlen. Das Gehalt selbst spielt dabei natürlich eine Rolle, ist aber nicht entscheidend. Der Markt hat sich zugunsten der Bewerber gedreht. Gute Bewerber können sich unter einer Vielzahl von Angeboten entscheiden. Den richtigen Mitarbeiter für Ihre Kanzlei zu finden, bedarf viel Mühe. Mit einem gut definierten Einstellungsprozess, einem positiven Kanzleiimage und der Vermittlung Ihrer ganz persönlichen Kanzleikultur ist Ihre Kanzlei gut gerüstet für die erfolgreiche Personalsuche.

Susanne Pannenbäcker
Susanne Pannenbäcker

Susanne Pannenbäcker

Ist Inhaberin der Kanzleiagentur München, die sich auf die Personalvermittlung für die steuerberatende Berufsgruppe spezialisiert hat. Sie unterstützt Kanzleien bei der Suche und Auswahl von qualifiziertem Personal und begleitet Bewerber auf ihrem Weg zu neuen Herausforderungen. (www.kanzleiagentur-muenchen.de)

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