Gemeinsam mehr erreichen

Netzwerken für Steuerberater

Im immer komplexer werdenden Steuerrecht ist für den Steuerberater eine zweite Meinung oft hilfreich und wichtig. Während in größeren Kanzleien oder Sozietäten bei Unklarheiten einfach der Kanzlei-Partner zu Rate gezogen wird, um Problemstellungen aus dem Alltag auf kurzem Wege zu klären, sind die Inhaber der Einzelpraxen auf sich allein gestellt. Ein gut funktionierendes Netzwerk – sowohl online als auch offline – kann hier Abhilfe schaffen.

Klar, ein gut strukturiertes Netzwerk aufzubauen, kostet vor allem Zeit. Eine Ressource, die Inhaber kleiner Kanzleien lieber in die Betreuung ihrer Mandanten stecken, anstatt von Veranstaltung zu Veranstaltung zu reisen, an Business-Frühstücken oder After-Work-Partys teilzunehmen. Dabei funktioniert networking längst nicht mehr nur über face-to-face Kommunikation.

Vor allem das Internet bietet zahlreiche Möglichkeiten für den Wissensaustausch und ist somit gerade für kleine Steuerkanzleien das optimale Medium, um über berufliche Fragen zu diskutieren. Die Antworten erhält der Internetnutzer im besten Fall sofort und ohne das eigene Büro verlassen zu müssen. Daher ist es umso verwunderlicher, dass lediglich 13 Prozent der Steuerberater sich über das Internet austauschen. Selbst von diesen 13 Prozent nutzen mehr als die Hälfte das Internet zu diesem Zweck nur zwei bis dreimal pro Monat oder noch seltener.

Ergebnisse aus der Zukunftsstudie:

Nutzen Sie mindestens einmal im Monat eine oder mehrere Online-Plattformen, um sich über fachliche Themen auszutauschen?

Statistik Internetkommunikation

Wie häufig nutzen Sie diese Online-Plattform(en) zum fachlichen Austausch mit Ihren Kollegen?

Statistik Nutzung Online-Plattformen

 Die vollständige Studie finden Sie hier zum Download

Doch was ist die Alternative zum Web und wie können Sie die zahlreichen kostenfreien und gut strukturierten Kommunikationsplattformen optimal für Ihre Kanzlei nutzen?

Bürogemeinschaften oder „Stammtische“ für den Wissensaustausch

Eine Möglichkeit des schnellen Wissenstransfers sind Bürogemeinschaften. Entweder aus zwei oder mehr Steuerberatern oder aus Steuerberater und Anwalt oder Wirtschaftsprüfer. Während erstere Konstellation aufgrund der Konkurrenz wohl seltener zu finden ist, ist letztere durchaus gängig. Ein Beispiel ist Steuerberater Thomas Vellante. Er betreibt eine Steuerkanzlei im oberbayerischen Otterfing und beschäftigt zehn Mitarbeiter. Die Räumlichkeiten teilt er sich mit seinem Bruder Markus Vellante, Anwalt mit den Schwerpunkten Arbeits- und Steuerrecht. Diese Art der Kooperation ist nicht nur für die Mandanten der Vellantes optimal, die Brüder profitieren ebenfalls und zwar von der gemeinsamen Infrastruktur und dem schnellen und unkomplizierten Wissensaustausch.
Natürlich bietet sich eine solche Bürogemeinschaft nur in den wenigsten Fällen an. Doch auch für Steuerberater, die ihr Büro allein betreiben, gibt es außerhalb des Internets Möglichkeiten für den kollegialen Austausch. Ein Beispiel hierfür wäre ein wöchentlicher „Steuerberater-Stammtisch“. Vielleicht kennen Sie einige Berufskollegen aus der näheren Umgebung, mit denen Sie sich regelmäßig über die aktuelle Gesetzgebung oder besonders knifflige Mandate austauschen können.

Online-Netzwerke: Die optimalen Austauschplattformen

Was aber, wenn während der laufenden Bearbeitung eines Mandanten Unklarheiten auftreten, die Sie eventuell sogar am Weiterarbeiten hindern? Klar: Grundlegende Fragen lassen sich schnell und einfach über Ihre Steuerrechtsdatenbank klären. Doch was tun Sie, wenn Sie lediglich eine zweite fachmännische Meinung benötigen, um sich abzusichern? Online-Netzwerke wie Xing bieten hierfür eine ideale Plattform. Kostenfrei registrieren, Profil anlegen und los geht’s! Xing verzeichnet mittlerweile rund 10 Millionen Mitglieder und bietet den Nutzern vielfältige businessorientierte Möglichkeiten, um das eigene Netzwerk auf- und auszubauen. Weit über 10.000 Steuerberater sind hier verzeichnet. Gruppen wie „Steuerberater“, „Steuerrecht“ oder „Steuerberatung 2.0“ laden zum Wissensaustausch und zur Diskussion ein.
Die Beteiligung in den Gruppen ist allerdings gering. Hier darf wohl kaum jemand mit einer schnellen Antwort auf seine Frage rechnen. Dabei gibt es für die schleppende Beteiligung keinen Grund. Die Konversation über das Internet ist schnell, kostengünstig und kinderleicht.

Erschaffen Sie Ihr persönliches Wissensnetzwerk!

Es liegt an Ihnen, die Online-Plattformen zu nutzen und mit Leben zu füllen. Sprechen Sie das Thema Online-Networking doch einfach einmal auf Ihrer nächsten Fortbildungsveranstaltung an. Sicherlich finden Sie einige Kollegen, die an einem gemeinsamen Wissensaustausch interessiert sind. So bauen Sie sich nach und nach Ihr persönliches Wissensnetzwerk auf. Vereinbaren Sie, mindestens einmal pro Tag online zu gehen. Für Ihre Fragen und Antworten können Sie entweder bestehende Gruppen auf Xing nutzen oder ganz einfach selbst eine neue Gruppe gründen. Auf diese Weise profitieren Sie vom Know-how Ihrer Berufskollegen und können Ihr Wissen an diese weitergeben. Eine win-win-Situation für alle Beteiligten! Probieren Sie es aus. Es lohnt sich!

Alexander Koschier

Alexander Koschier ist Prokurist und Mitglied der Geschäftsleitung bei Agenda. Als Bereichsleiter Marketing & Sales ist er mit der Steuerbranche und den Herausforderungen kleiner Kanzleien bestens vertraut. (www.agenda-software.de)

Kommentarautor Cordula Schneider 22.04.2014 17:12 Cordula Schneider Hallo Herr Berger, tja, leider ist der Begriff "Netzwerk" nicht geschützt ;-)) Gerade das Internet begünstigt durch die rein "grammatische" Suche natürlich die "Trittbrettfahrer". Aber Sie müssen ja nix kaufen. Das sicherste ist, sich ein eigenes Netzwerk aufzubauen, da Sie dann selber auswählen, wer mit machen darf. Das bedeutet aber auch viel Zeitaufwand. Ich stelle mit Freude fest, dass in der Kollegenschaft eine Entwicklung hin zum "offenen" Netzwerken statt findet. Viele Kollegen merken, dass ein offener Erfahrungsaustausch ihnen mehr bringt als das "Schaulaufen", dass ich noch von früher anlässlich von Seminaren kenne. Die Angst vor der Konkurrenz ist aus meiner Erfahrung nicht der richtige Fokus für Entscheidungen. Sie können durch hohe Kundenzufriedenheit die "Honorar-Latte" beim Wechseln sehr hoch legen. Kommentarautor toni berger 21.04.2014 14:59 toni berger ja, es ist leider so, dass in den diversen medien insb. leute zu findne sind, die irgendetwas verkaufen wollen. tatsache ist, der kleine stb ist der "Volldepp". kooperationen sind natürlich wichtig. in den netzwerken findet man abe mehr verkäufer als sonst was Kommentarautor Carl-Dietrich Sander 28.12.2013 12:20 Carl-Dietrich Sander Sicherlich wird es mehr Zusammenschlüsse geben - doch eine gute Alternative ist die Kooperation. Dazu gehört allerdings, Steuerberaterkollegen/innen nicht primär als Wettbewerber zu verstehen. Nach meinem Eindruck als Referent in Seminaren für Steuerberater/innen mit Themen der betriebswirtschaftlichen Beratungsaufgaben sind Steuerberater/innen allerdings eher kooperations-"scheu". Hier sollte und müsste sich etwas ändern - sowohl mit Blick auf den eigenen Berufsstand wie mit Blick auf Rechtsanwälte und Unternehmensberater. Wenn Sie als "Einzelkämpfer" nicht die Bedürfnisse Ihrer Mandanten über Kooperationspartner befriedigen - werden es andere tun. Dann ist die Gefahr, Mandanten zu verlieren deutlich größer als in einer Kooperation. Kommentarautor BKK 11.10.2013 18:02 BKK Theoretisch und praktisch sind die Möglichkeiten da. Steuerberater von kleinen Praxen sind aber Einzelkämpfer. Kollegen sind üblicher Weise Konkurrenten. Wer bearbeitet im Netz bei begrenzter Tageszeit für unbekannte Kollegen kostenfrei Lösungen. Derartiges wird inzwischen gegen Entgelt von Verlagen angeboten. Daher ist der rechtzeitige Zusammenschluss zu einer Praxisgemeinschaft wohl die richtige Lösung.