Kanzleikauf – die Suche nach der Wunschpraxis

Teil 1: So findest Du die passende Kanzlei

Aller Anfang ist schwer. Gerade, wenn es um den Kauf einer bestehenden Steuerkanzlei geht. Von der Suche nach der geeigneten Kanzlei bis zum Verkaufsgespräch ist es ein langer Weg.

Das Streben nach der Wunschkanzlei

Zu Beginn solltest Du Dir intensiv Gedanken über Deine Wunschkanzlei machen. Wie viele Mitarbeiter sollte diese haben? Welche Region bevorzugst Du für Deine Praxis? Und welchen Umsatz sollte die Kanzlei erzielen?

Üblicherweise kaufen junge Steuerberater Praxen mit einem Umsatz von 200.000 bis 500.000 Euro. Bezüglich Mitarbeiteranzahl und Region muss jeder für sich selbst entscheiden, wie er am liebsten in seine Selbstständigkeit starten möchte.

Sind die genannten Punkte geklärt, kannst Du Dich auf die Suche machen. Fündig werden viele Berater über Online-Plattformen und Zeitungsannoncen. Eine beliebte und effektive Alternative: die Dienste eines Vermittlers in Anspruch nehmen.

Wie läuft der Kanzleikauf mit einem Kanzleivermittler ab?

Um von einem Vermittler zu profitieren, ist eine Kontaktaufnahme nötig, bei der Du Deine Anforderungen nennst. Anschließend erhältst Du Kanzleiangebote, die Dich ansprechen könnten – aus Datenschutzgründen in Form von anonymisierten Exposés.

Findest Du ein Angebot attraktiv, solltest Du sofort Kontakt mit dem Vermittler aufnehmen. Die Nachfrage nach Kanzleien ist nämlich groß: auf eine Kanzlei kommen etwa zehn Interessenten. Im nächsten Schritt sprichst Du persönlich mit dem Inhaber, für gewöhnlich ist dabei auch die vermittelnde Person anwesend.

Verkaufsgespräch: Praxiswert im Fokus

Im Rahmen des Verkaufsgesprächs können sich der Kanzleiinhaber und sein potenzieller Nachfolger kennenlernen. Dabei stehen neben der persönlichen Ebene die zu veräußernde Kanzlei und deren Wert im Mittelpunkt. Der scheidende Chef versucht seine Praxis im besten Licht zu präsentieren und informiert darüber, was konkret übertragen wird.

Du solltest genau prüfen, ob die zu veräußernde Kanzlei Deinen Vorstellungen entspricht. Des Weiteren ist es wichtig, dass Du Dir einen Eindruck vom Praxiswert und dessen Verhältnis zum geforderten Kaufpreis machst. Dafür ist es hilfreich, die Qualität des Mandantenstamms in Erfahrung zu bringen. Denn die Klienten sind elementarer Wertbestandteil einer Kanzlei. Üblicherweise händigt der Senior Dir bei konkretem Kaufinteresse eine anonymisierte Mandantenliste aus.

Durch eine anonymisierte Mandantenliste sollten folgende Fragen geklärt werden:

  • Wie alt sind die Mandanten?
  • In welcher Branche sind sie tätig?
  • Welche Dienstleistungen werden für den Klienten erbracht?
  • Seit wann sind sie Kunden der Kanzlei?
  • Wie hoch ist der Umsatz pro Mandant?

Der Praxiswert ist hoch, wenn die Mandanten ein geringes Alter haben. Außerdem wirken sich vorhandene Branchenschwerpunkte und viele Unternehmenskunden positiv auf den Wert aus. Um den Umsatz pro Kunde besser beurteilen zu können, erhältst Du neben der anonymisierten Mandantenliste die Kanzleiabschlüsse der letzten drei Jahre.

In Zeiten des Fachkräftemangels haben auch die Mitarbeiter großen Einfluss auf den Wert einer Kanzlei. Achte darauf, dass die Angestellten gut qualifiziert sind und eine gemischte Altersstruktur haben. Zudem solltest Du auch Informationen zur Fluktuation des Personals einholen. Hast Du Dich nach intensiver Analyse für eine Kanzlei entschieden, dreht sich alles um den Kaufpreis und die Finanzierung.

Sonja Schumergruber
Sonja Schumergruber

Sonja Schumergruber

Redakteurin Steuerberaterseite.de

3-teilige Serie: „Kanzleikauf“

In unserer Artikelreihe zeigen wir Dir, wie der Kauf einer Steuerkanzlei idealtypisch abläuft. In drei Teilen erfährst Du, worauf es bei einer Kanzleiübernahme ankommt – von der Suche nach Deiner Wunschkanzlei bis zu den ersten Monaten als Nachfolger.

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