Wettbewerb um qualifizierte Mitarbeiter

Die Stärken der kleinen Steuerkanzlei

Mit vielfältigen und abwechslungsreichen Aufgaben, direktem Mandantenkontakt und einem angenehmen Betriebsklima können kleine Kanzleien bei den Mitarbeitern punkten. Manfred Hofstede, Hauptgeschäftsführer des Steuerberater-Verbandes Köln, erläutert, wie sich Kanzleien bei der Mitarbeiterfrage gut aufstellen können und welche Rolle das Gehalt dabei spielt.

Umfragen zum Gehalt

Häufig stellt sich die Frage, ob die Höhe des Gehaltes von entscheidender Bedeutung für die Mitarbeitergewinnung und für die Mitarbeiterbindung ist. Natürlich ist das Gehalt ein bedeutender Aspekt, aber keineswegs der einzige: die Erreichbarkeit des Dienstortes, die Arbeitszeiten, die Arbeitsbelastung und das Arbeitsklima sind weitere wichtige Kriterien.

Der Steuerberater-Verband Köln führt seit fast 20 Jahren in regelmäßigem Abstand Gehaltsumfragen durch. Die Ergebnisse dieser Umfragen lassen sich generell wie folgt zusammenfassen: Es gibt ein deutliches Gefälle zwischen Stadt und Land, also den großstädtischen Ballungsgebieten und den ländlichen Räumen. Naturgemäß ist die Suche nach geeigneten Mitarbeitern in Ballungsgebieten aufgrund der Konkurrenzsituation nicht nur von außen, sondern auch innerhalb des Berufsstandes, erheblich schwieriger als in ländlichen Regionen.

Andererseits sind Wanderungsbewegungen von strukturschwachen zu strukturstarken Regionen kaum auszumachen, was wiederum die These unterstreicht, dass die Höhe des Gehaltes nicht die entscheidende Frage ist.

Bei unseren Gehaltsumfragen haben wir seit Jahren tendenziell feststellen können, dass es bei der Gehaltshöhe – bis auf einige Ausnahmen – keine besondere Auffälligkeit zwischen Groß- und Mittelstädten gibt. Auch diese Mittelregionen sind wirtschaftlich außerordentlich stark, was sich in den Gehaltsstrukturen widerspiegelt.

Ausbildung und Fortbildung

„Lebenslanges Lernen“ ist einer der wichtigsten Begriffe in der heutigen Bildungslandschaft. Aufgrund der von Dritten – Gesetzgeber, Verwaltung, Rechtsprechung – gesetzten Umstände, muss sich gerade der steuerberatende Beruf auf die ständig ändernde Steuergesetzgebung einstellen. „Lebenslanges Lernen“ betrifft nicht nur die Kanzleiführung, sondern auch die Mitarbeiter. Der Verband macht entsprechende Angebote, so dass auch jede kleine Kanzlei eine umfassende und permanente Fortbildung bieten kann

In Köln bieten wir beispielhaft ein sogenanntes „Mitarbeiter-Seminar“ an, das ähnlich strukturiert ist wie unser „Praktiker-Seminar“ für Berufsangehörige: einmal im Monat haben die Mitarbeiter die Möglichkeit, sich über aktuelle Entwicklungen in den für sie interessanten Fachgebieten in einem Nachmittagsseminar fortzubilden. Um die Fahrzeit zu verkürzen, finden diese Seminare an sechs Standorten in unserem Verbandsgebiet statt. Neben der permanenten Fortbildung ist aber auch die Qualifikation ein besonderes Anliegen des Verbandes: Derzeit wird mit fast 50 Teilnehmern ein Vorbereitungslehrgang auf die Prüfung zum „Fachassistenten Lohn und Gehalt“ durchgeführt. So haben auch Mitarbeiter die Möglichkeit sich zu spezialisieren.

Der Wettbewerb um qualifizierte Mitarbeiter wird härter werden. Früher beließ man es bei einem Appell an die allgemeine Ausbildungsbereitschaft. Dies ist heute, in Zeiten des demographischen Wandels einerseits und der Voraussetzungen einer ausreichenden Qualifikation für eine Ausbildung im Berufsstand andererseits, nicht mehr ausreichend. Insofern sind Ausbildungskampagnen wie von der Bundessteuerberaterkammer als unterstützende Maßnahmen ausdrücklich zu begrüßen.

Manfred Hofstede
Manfred Hofstede

Manfred Hofstede

Rechtsanwalt, ist Hauptgeschäftsführer des Steuerberater-Verbandes Köln und Geschäftsführer der Akademie für Steuer- und Wirtschaftsrecht des Verbandes. (www.stbverband-koeln.de)

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