Steuerberaterprüfung bestanden – und dann?

Erst angestellt, danach selbstständig

Nach erfolgreichem Examen entscheiden sich nicht wenige Steuerberater für eine (hauptberufliche) Tätigkeit als Angestellter. Warum ist das so? Und welche Möglichkeiten bieten sich angestellten Berufsträgern beim Start ins Arbeitsleben?

Eines vorweg: Nach wie vor sind die meisten Steuerberater selbstständig. Knapp 70 Prozent aller Berufsangehörigen haben eine eigene Kanzlei. Vor dem großen Schritt in die berufliche Unabhängigkeit entscheiden sich aber viele Steuerberater erst einmal für eine Tätigkeit als Angestellter.

Auf Nummer sicher gehen: der Start als Arbeitnehmer

Nur wenige Absolventen gründen nach bestandenem Examen ihre eigene Kanzlei. Stattdessen können Steuerberater laut einer Studie der Kammern München und Nürnberg beim Start in die Selbstständigkeit auf durchschnittlich 7,6 Jahre Angestelltentätigkeit zurückblicken.

Einer der wichtigsten Gründe dafür: Junge Steuerberater wollen zunächst ausreichend Praxiserfahrung sammeln, um für ihren anspruchsvollen Alltag als Kanzleiinhaber besser gerüstet zu sein. Wie wird das Controlling durchgeführt? Wie sieht die Honorargestaltung aus? Antworten auf diese und weitere wichtige Fragen können Angestellte von ihrem Arbeitgeber erfahren. Daraus lassen sich Schlüsse für die eigene Kanzlei ziehen.

Junger Steuerberater
Junger Steuerberater

Ist die Steuerberaterprüfung bestanden, scheuen viele außerdem das finanzielle Risiko einer Selbstständigkeit. Sie legen erst einmal Wert auf ein monatlich gleichbleibendes, geregeltes Einkommen. Im Schnitt verdienen angestellte Steuerberater zwischen 50.000 (Einstiegsgehalt) und 60.000 Euro brutto pro Jahr.

Erfahrungen bei den "Big Four" sammeln

In der Praxis entscheidet sich eine große Anzahl von jungen Steuerberatern für einen Berufseinstieg bei den "Big Four". Laut Deutschlandfunk beschäftigen diese weltweit 750.000 Angestellte und erzielen einen Umsatz von 120 Milliarden Euro pro Jahr. Die vier umsatzstärksten Wirtschaftsprüfungsgesellschaften sind:

  • Deloitte
  • EY (Ernst & Young)
  • KPMG
  • PwC (PricewaterhouseCoopers)

Von einem Start bei diesen vier Gesellschaften versprechen sich junge Steuerberater mehrere Vorteile: Sie erhalten dort einen breiten Überblick über verschiedenste Tätigkeiten und Branchen. Das ist eine gute Grundlage für eine spätere Spezialisierung als Kanzleiinhaber. Des Weiteren können sich frischgebackene Berater in einer Großkanzlei mit komplexen Mandaten vertraut machen.

Zudem haben sie die Chance, aussichtsreiche Kontakte zu knüpfen – sogar über Branchengrenzen hinweg. Schließlich arbeiten die "Big Four" mit interdisziplinären Teams aus Steuerberatern, Wirtschaftsprüfern, Unternehmensberatern und Rechtsanwälten. Angesichts dieser Konstellation ist es gut möglich, dass sich der zukünftige Sozius im Kollegenkreis findet.

Es gibt aber auch negative Aspekte. Laut KarriereSpiegel liegt die Fluktuationsrate der Mitarbeiter in diesen vier Gesellschaften bei schätzungsweise 10 bis 20 Prozent. Mögliche Gründe dafür: die überdurchschnittlich hohe Arbeitsbelastung und der enorme Leistungsdruck.

Hauptberuflich angestellt und nebenberuflich selbstständig

Doppelt hält besser: So lautet vermutlich das Motto vieler Steuerberater, die nach erfolgreichem Examen hauptberuflich Angestellte und nebenberuflich Selbstständige sind. Für solch eine Konstellation spricht, dass die jungen Berater erst einmal Mandanten gewinnen können ohne ausschließlich auf den Ertrag ihrer eigenen Kanzlei angewiesen zu sein. Darüber hinaus können sie so das wirtschaftliche Potential ihrer Kanzlei testen. Besteht zum Beispiel genügend Bedarf an den angebotenen Leistungen?

Die Kehrseite der Medaille: Die Kombination aus hauptberuflicher Tätigkeit als Angestellter und nebenberuflicher Selbstständigkeit stellen eine Doppelbelastung dar. Gerade Menschen, die großen Wert auf ausreichend Freizeit legen, stoßen an ihre Grenzen. Ein weiterer Minuspunkt: Gleichzeitig angestellte und selbstständige Berater sind zeitlich weniger flexibel, wenn es etwa darum geht, Mandanten vor Ort zu besuchen.

Aber wann ist eine Selbstständigkeit nebenberuflich? Nur, wenn die eigene Kanzlei nicht den Arbeitsmittelpunkt bildet. Dabei dient ein Wert von weniger als 18 bis 20 Arbeitsstunden pro Woche als Orientierungshilfe. Außerdem sollte das Einkommen der nebenberuflichen Selbstständigkeit das Arbeitseinkommen nicht übersteigen. Wenn der Kanzleiinhaber einen Mitarbeiter beschäftigt, wird eine hauptberufliche Selbstständigkeit angenommen.

Sonderfall Syndikus-Steuerberater

Seit 2008 gibt es die Möglichkeit, den Beruf des Steuerberaters neben der Angestelltentätigkeit selbstständig auszuüben. Der sogenannte Syndikus-Steuerberater ist ein Berater, der bei einem nicht berufsständischen Arbeitgeber (beispielsweise in der Steuerabteilung eines Unternehmens oder Verbands) angestellt und gleichzeitig als Selbstständiger tätig ist.

Im Rahmen der Angestelltentätigkeit dürfen diese Steuerberater aber nur Vorbehaltsaufgaben im Sinne des § 33 StBerG erfüllen, zum Beispiel die Erstellung der Lohn- und Finanzbuchhaltung. Zusätzlich muss der Arbeitgeber eine Bescheinigung ausstellen, dass er mit der parallelen Selbstständigkeit seines Angestellten einverstanden ist. Das Muster eines solchen Dokuments kann bei der zuständigen Steuerberaterkammer angefordert werden. Weitere Voraussetzung: Der Syndikus-Steuerberater muss eine eigene Berufshaftpflichtversicherung abschließen – wie alle anderen Steuerberater.

Sind diese Bedingungen erfüllt, kann der Steuerberater von der Kammer zum Syndikus bestellt werden. Ab diesem Zeitpunkt profitiert er von den Leistungen des Steuerberater-Versorgungswerks (beispielsweise Altersruhegeld, Ruhegeld bei Berufsunfähigkeit) und ist von der gesetzlichen Rentenversicherung befreit.

Sonja Schumergruber, Redakteurin Steuerberaterseite.de
Sonja Schumergruber, Redakteurin Steuerberaterseite.de

Sonja Schumergruber

Redakteurin Steuerberaterseite.de

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